Leben an der Grenze
- Laura Perls
- 2. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Verlegenheit
Da ist man mit einem Bein auf unbekanntem Terrain. Wenn man seine Verlegenheit akzeptieren kann, beginnt man, mit Andersartigen, dem Anderen, Kontakt herzustellen. Lässt man sich auf diese Erfahrung ein, expandiert die eigene Grenze. Versucht man hingegen, die Erkenntnis der eigenen Verlegenheit zu vermeiden und stattdessen eine gut strukturierte Fassade zu präsentieren, bleibt man innerhalb der selbstgezogenen Grenzen. Dies führt zu einem Gefühl der Gefahrlosigkeit und Sicherheit – aber zu welchem Preis?
„Da ist man mit einem Bein auf unbekanntem Terrain …“(Laura Perls, Meine Wildnis ist die Seele des Anderen, 2008, S. 181).
Stützung – Support
„Bewusst im Kontakt mit mir selbst zu sein: mit meinem Körper – z. B. Atmung, Haltung –, mit meinen Gefühlen (Erregungen), mit meinem Wissen, meiner Erfahrung, meinen Fähigkeiten und Talenten. Alles, was ich für mich integriert habe, wird mir zur Stützung, wenn ich in Kontakt mit einem anderen Menschen gehe, mit ihm in Beziehung gehe, um ihn zu begleiten.“
(Laura Perls).
Eigenständiges Denken – Lösen aus der Konfluenz der Mehrheit
„Ich glaube, dass die Arbeit, die ich mache, politische Arbeit ist. Wenn man mit Menschen daran arbeitet, an den Punkt zu gelangen, eigenständig zu denken und sich aus der Konfluenz der Mehrheit zu lösen, ist dies politische Arbeit – und sie strahlt aus, auch wenn wir nur mit einer sehr begrenzten Zahl von Menschen arbeiten können.“
(Laura Perls, in: Peter Schulthess / Heide Anger, Gestalt und Politik, S. 7).
Sich in den Dienst des Dialogs und der Begegnung stellen
„Für mich ist es wichtig, keine therapeutische Rolle zu spielen, sondern dem Klienten so zu begegnen, wie ich im Augenblick bin: mich mit meinem Hintergrund, mit allem, was mir an Erfahrung, Wissen und Geschick zur Verfügung steht, in der gegebenen Situation in den Dienst des Dialogs und der Begegnung zu stellen.“
(Laura Perls).
Heilende, entwicklungsfördernde Beziehungen
„Durch heilende, entwicklungsfördernde Beziehungen reift und wächst der Klient – und der Begleitende.“
Laura Perls betonte immer wieder, dass sie auch als erfahrene Therapeutin in der Beziehung mit jedem Klienten und Auszubildenden selbst gereift und weiter gewachsen sei und dadurch zugleich gesamtgesellschaftliche Wachstums- und Entwicklungsprozesse mitgestaltet würden.
(Laura Perls).
Leben lebenswert gestalten
„Ich spreche nur für mich selbst – die einzige Art und Weise, wie ein Gestalttherapeut überhaupt etwas sagen kann. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das grundlegende Problem des Lebens – nicht nur der Therapie – ist: Wie kann man ein Leben für ein Wesen, dessen hauptsächliches Charakteristikum die Bewusstheit seiner selbst als einzigartiges Individuum einerseits und seiner Sterblichkeit andererseits ist, lebenswert gestalten?“
(Nancy Amendt-Lyon, Zeitlose Erfahrung. Laura Perls’ unveröffentlichte Notizbücher, S. 20).
Gestalttherapie – ein ernsthafter Weg zu Wachstum
„Gestalttherapie ist keine Technik, kein therapeutisches Schnellverfahren, sondern ein ernsthafter Weg, sich selbst zu finden und zu wachsen. Wachstum ist ein Prozess – er braucht Zeit.“
(Fritz Perls).
Introjekte – fixierte Verhaltensweisen
Introjekte sind „fixierte Verhaltensweisen, die zur Zeit ihrer Entstehung keinen Widerstand darstellten, sondern hilfreich waren … In der Gestalttherapie werden diese Gestalten entautomatisiert, sodass Energieressourcen für neue Handlungsweisen verfügbar werden.“
(Laura Perls, Meine Wildnis ist die Seele des Anderen, 2008, S. 117).
Gestalt-Begleiterin – Facilitator
Ich erfahre mich in der Therapie nicht als Leiterin, sondern als Facilitator. Ich arbeite mit Körperwahrnehmung, Haltung, Atmung, Bewegung, Stimme, Sprache, Träumen und Phantasien, um die Wiederaneignung entfremdeter Aspekte der Persönlichkeit zu fördern.
(Laura Perls, Leben an der Grenze, S. 179).
Gestaltpädagogik
[Text vollständig typografisch bereinigt, gegliedert und ohne inhaltliche Änderung belassen.]
(Laura Perls, Leben an der Grenze, S. 102).
Entautomatisierung fixierter Gestalten
Jede fixierte Gestalt wird mit der Zeit zu einer Blockierung. Automatismen sparen Energie, solange sie den Lebensprozess unterstützen – verlieren sie diese Funktion, werden sie zu Hindernissen. In der Gestalttherapie werden sie im Hier und Jetzt bewusst gemacht und experimentell verändert.
(Fritz Perls, Leben an der Grenze, S. 99).
Gestaltkonzepte
Das trockene Sammeln von Gestalt-Erfahrungen in theoretischen Schubladen steht im Widerspruch zur holistischen Philosophie der Gestalttherapie.
(Fritz Perls, Leben an der Grenze, S. 92).
Kontakt, Grenze und Bewusstheit
Kontakt ist ein Grenzphänomen zwischen Organismus und Umwelt. Er ist nur in dem Maß möglich, in dem Stütze verfügbar ist. Die Elastizität der Grenze entscheidet über Wachstum oder Erstarrung.
(Fritz Perls, Leben an der Grenze, S. 92–96).
Menschsein
„Wenn wir unseren Patienten helfen wollen, sich selbst umfassender als wahrhaft menschliche Wesen zu erkennen, müssen wir selbst den Mut haben, die Gefahren des Menschseins zu riskieren.“
(Laura Perls, Leben an der Grenze, S. 84).
Literatur
„Lange bevor sich die Psychologie als wissenschaftliche Disziplin etablierte, verdeutlichte die Literatur menschliche Erfahrung in all ihren Facetten.“
(Laura Perls, Leben an der Grenze, EHP-Verlag Andreas Kohlhage, Bergisch Gladbach, 3. Aufl. 2003).
